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Die neue Vermögenszuwachsbesteuerung bei Kapitalanlagen (Wertpapier-KESt neu)

04/06/2011

Diese Besteuerung soll jene Wertpapiere treffen, die ab dem 1.1.2011 angeschafft werden. Die Abfuhr der Einkommensteuer soll direkt durch die Banken durchgeführt werden. Aufgrund der Komplexität und der notwendigen Zeit für die Vorbereitungsmaßnahmen der Banken wird dieser automatische Abzug der Steuer erst ab 1.10.2011 durchgeführt werden. Bei Wertpapierver-äußerungen bis zu diesem Zeitpunkt gelten noch die bisherigen Besteuerungsgrundsätze

(z.B. Veräußerung von Wertpapieren innerhalb eines Jahres sind gem. § 30 EStG mit dem vollen Einkommensteuersatz belastet).

Es sind komplizierte Regelungen für den Ausgleich zwischen Gewinnen und Verlusten vorgesehen, welche die Bank automatisch berücksichtigt, soweit diese Gewinne und Verluste im gleichen Depot realisiert werden. Wenn es Depots bei verschiedenen Banken mit Verlusten und Gewinnen gibt, muss der Steuerpflichtige selbst aktiv werden. Nebenkosten für die Anschaffung und laufende Depotspesen für die Wertpapiere werden ab 1.10.2011 steuerlich nicht mehr berücksichtigt.

Von dieser Vermögenszuwachsteuer sind auch Beteiligungen an GmbHs erfasst. Für diese Vermögenszuwächse tritt eine bedeutende Verschlechterung in Kraft. Bisher wurde die Ver-äußerung von GmbH-Beteiligungen (ab 1 %) mit dem halben Steuersatz besteuert, wobei aber Anschaffungsnebenkosten und sonstige Kosten (z.B. Zinsen für den aufgenommenen Finan-zierungskredit) den Gewinn gekürzt haben. Diese Veräußerungsgewinne unterliegen derzeit (bis 30.9.2011) der halben Einkommensteuer. Ab dem 1.10.2011 werden diese Veräußerungs-gewinne pauschal mit 25 % versteuert.

Es sind aber ab diesem Zeitpunkt außer dem Kaufpreis weitere Werbungskosten (Anschaffungs-nebenkosten und Zinsen) steuerlich nicht mehr abzugsfähig. Daher wird es unter Umständen ratsam sein, eine eventuell geplante Veräußerung von solchen Beteiligungen noch vor dem 30.9.2011 durchzuführen.

  • Verlustausgleich

Verluste aus der Veräußerung von Kapitalanlagen können innerhalb eines Kalenderjahres mit laufenden Erträgen und Veräußerungsgewinnen aus Aktien, GmbH-Anteilen, Anleihen, Investment­fonds und Derivaten ausgeglichen werden. Es können daher zB Kursverluste aus Aktien, Anleihen oder Derivaten mit Dividendenerträgen, Anleihezinsen oder Kursgewinnen aus Aktien, Anleihen oder Derivaten ausgeglichen werden, nicht jedoch mit Zinsen aus Bankguthaben und Sparbüchern! Zwecks Durchführung des Verlustausgleichs muss durch Einreichung einer Einkommensteuererklärung eine Steuerveranlagung beantragt werden (Verlustausgleichsoption), bei der die zuviel bezahlte KESt vom Finanzamt rücker­stattet wird. Ergeben die beim Verlustausgleich zusammengefassten Kapitaleinkünfte insgesamt einen Verlust, so darf dieser nicht mit anderen Einkünften (zB Lohneinkünften oder Einkünften als Einzelunter­nehmer) ausgeglichen und auch nicht in zukünftige Perioden vorgetragen werden. Der Ausschluss eines Verlustvortrags wird angesichts der aktuellen Judikatur des Verfassungsgerichtshofes von vielen Experten als verfassungswidrig angesehen.

  • Besteuerung von Investmentfonds

Die Fondsbesteuerung wird teilweise vereinfacht, teilweise aber verkompliziert. Da bei Investmentfonds, die bei einer inländischen Depotbank gehalten werden, die Besteuerung vom Fonds selbst bzw der Depotbank vorgenommen wird, muss sich der Anleger in diesem Fall mit den komplizierten Bestimmungen nicht selbst auseinander setzen. Nachfolgend daher nur ein kurzer Überblick über die wichtigsten Änderungen:

  • Besonderheiten im betrieblichen Bereich

Die neue Vermögenszuwachsbesteuerung gilt – wie die Endbesteuerung der Zinsen – grundsätzlich auch im betrieblichen Bereich von einkommensteuerpflichtigen Unternehmern. Dabei sind folgende Besonderheiten zu berücksichtigen:

-          Verluste aus Teilwertabschreibungen oder aus der Veräußerung von Kapitalanlagen (inklusive Beteiligungen) können zur Hälfte mit anderen betrieblichen Einkünften ausgeglichen oder vorgetragen werden.

-          Betriebsausgaben im Zusammenhang mit betrieblichen Kapitalanlagen sind – soweit erkennbar – abzugsfähig.

-          Bei im betrieblichen Bereich gehaltenen Investmentfonds sind wie bisher weiterhin 100 % der Substanzgewinne steuerpflichtig.

  • Regelbesteuerungsoption

Alternativ zur Besteuerung aller Kapitaleinkünfte mit 25 % kann durch Abgabe einer Einkommensteuerer­klärung ein Antrag auf Regelbesteuerung, dh zur Versteuerung mit dem allgemeinen Steuertarif (Steuer­sätze bis zu 50%), gestellt werden. Dies macht allerdings nur dann Sinn, wenn neben den Kapitaleinkünften noch Abzugsposten, wie etwa außergewöhnliche Belastungen oder Sonderausgaben (einschließlich eines allfälligen Verlustvortrages aus betrieblichen Einkünften), geltend gemacht werden können. Werbungs­kosten und Anschaffungsnebenkosten können aber auch bei der Regelbesteuerungsoption nicht abgesetzt werden.

  • Sonstige Änderungen bei der Besteuerung von Kapitalvermögen

-          Beim Kauf von Wertpapieren wird bei der Stückzinsenabrechnung ab 2011 keine KESt mehr gutge­schrieben. Die Stückzinsen gehören vielmehr zu den Anschaffungskosten und werden steuerlich erst bei der Veräußerung der Anleihe über die höheren Anschaffungskosten wirksam.

-          Die Mindestlaufzeit für die Steuerfreiheit von Lebensversicherungen wird für Vertragsabschlüsse nach dem 31.12.2010 von 10 Jahren auf 15 Jahre angehoben.